1925 bis 1933

Das Rheingauviertel ist Teil der Gartenstadt am Südwestkorso, einem architektonischen Ensemble, in dem sich ein Stück ambitionierter deutscher Sozialgeschichte spiegelt.

Basierend auf den Ideen des Engländers Ebenezer Howard (1850-1928) wurde die Gartenstadt Südwestkorso von Jean Krämer (1886-1943) geplant und größtenteils zwischen 1928 und 1933 erbaut. Krämer verfolgte wie andere innovative Architekten das Ziel, in Berlin einen völlig neuen Architekturtypus zu entwickeln, dessen Grundideen einerseits auf der Dezentralisierung von Industriestandorten und andererseits auf genossenschaftlichen Organisationsformen basierten.

Die Vorzüge von Stadt- und Landleben sollten optimal miteinander verbunden werden und eine grundlegende Wohnreform einleiten.
Typisch für die Gartenstädte, die sich in den 1920er Jahren großer Popularität erfreuten, war eine großzügige Grünflächenplanung. Darüber hinaus spielten die Sicherung gemeinnütziger Boden- und Wohnungspreise, Hilfen zur Selbsthilfe für die Bewohner sowie die Planung sozialer Einrichtungen eine zentrale Rolle. Liberales Bürgertum und aufstrebende Arbeiterschaft erprobten in den Gartenstädten neue Formen des städtischen Miteinanders. Dass sich in diesem Umfeld besonders gerne Künstler und Intellektuelle ansiedelten, ist nicht zuletzt mit der Aufbruchstimmung zu erklären, die von den sozialpolitischen Ideen ausging.

Bauträger der Gartenstadt Südwestkorso, deren Kern die Wohnanlage Geisenheimer Straße ist, war die „Heimat“ Gemeinnützige Bau- und Siedlungs AG, die 1941 von der GEHAG übernommen wurde. Die fünfgeschossigen Putzbauten mit ihren ansprechenden Satteldächern wurden in einer sogenannten Blockrandbebauung errichtet. Kriegsbedingt konnten die 1938/39 begonnenen Gebäude an der Wiesbadener Straße und am Südwestkorso erst 1953 fertig gestellt werden.

Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen erfreuen sie sich heute erneut großer Beliebtheit.